Ein bischen Philosophie
Es gibt in der heutigen Zeit wenige Firmen die sich trauen, Gitarren zu bauen, die nicht aus dem traditionellen Baustoff Holz sind. So musikalisch innovativ Gitarristen in den letzten Jahrzehnten waren - Rock und Pop wären ohne E-Gitarren nicht denkbar - so eingefahren sind wir in unserer Vorstellung der "richtigen" Gitarre. Dabei stand am Anfang der Entwicklung eigentlich eine revolutionäre "Erfindung" - die Solidbody Gitarre mit elektrischem Tonabnehmer. Seitdem sind wir gedanklich stehengeblieben. Die Bretter müssen aus Holz sein und alle Hardware möglichst so, wie das in den 50er - allenfalls in den 60er Jahren schon war und nicht anders. Alles andere "klingt" nicht - Schluss aus.
Dabei übersehen wir, dass höchstwahrscheinlich nur die ausgesucht guten Instrumente die Zeiten überstanden haben. Beziehungsweise haben unser Idole eben hauptsächlich solch guten Instrumente gespielt und uns damit geprägt. Dabei ist eigentlich bekannt, dass die Qualitätsstreuung gerade in den frühen Jahren eklatant war. Holz ist eben ein eigensinniger Baustoff, dessen tonale Qualität von Instrument zu Instrument nicht einfach reproduzierbar ist.
Hinzu kommt, dass Holz "arbeitet". Die Ergebnisse aus zentralgeheizten Wohnungen liegen dann bei mir auf der Werkbank mit total vertrockneten und verzogenen Hälsen. Noch schlimmer geht es unseren Nachbarn im Süden. Meine Kunden aus Italien und Spanien berichten mir immer wieder, dass die nassen Winter der letzten Jahre ihre Gitarren morden. Dort sind Zentralheizungen nicht sehr verbreitet. Bei längeren Schlechtwetterperioden kriecht irgendwann die Kälte und Feuchtigkeit ins Haus. Das Holz quillt..... .
Ein weiteres Problem ist mittlerweile die mangelnde Verfügbarkeit guten Tonholzes. Gibson kann im Moment zumindest keine Massenware liefern, weil das Holz ausgegangen ist. Noch vor ein paar Jahren hieß es, dass Linde eher pappig klingt - heute heißt es Basswood und wird ersatzweise massenweise verbaut. Bei den ganzen Corinnas und sonstigen Ersatzhölzern ist die tonale Qualität auch nicht wirklich geklärt....
Für mich eines der wichtigsten Kritierien: Die Bereitstellung guten Tonholzes beschleunigt den Raubbau an den Tropenwäldern. Auch für den hochgelobten "zertifizierten" Anbau von Tropenhölzern werden vorher gerodete Urwaldflächen genutzt. Klar, auf den Flächen wird nachgepflanzt - das ist dann aber eine Plantage und keinesfalls ein Urwaldökosystem.
Es ist also gar nicht so abwegig über alternative Baustoffe nachzudenken. Dabei sind einige Hersteller schon weit über das Experimentalstadium hinausgelangt.
Die bei mir im Geschäft anspielbereiten Modelle der drei Marken:
- Artistides Instruments
- Flaxwood
- XOX
zeigen, was möglich ist und das ist "nicht von schlechten Eltern" ? man müsste nur mal über seinen Schatten springen.
Mit herzlichen Grüssen
Ernst
PS.: Noch was zu Anhören
Vergleich Flaxwood ./. Aristides
http://www.youtube.com/watch?v=lpSIJY3LUFs&feature=related






