Archtops – Tonale Grundrichtungen

Ich unterscheide Archtop Jazz Gitarren nach ihrer grundsätzlichen Klangrichtung in "traditionellen" und "modernen" Ton.

Die typischen Vertreter des "traditionellen" Tons sind bei mir die verschiedenen Modelle von Ibanez, die FGN, d'Angelico, Torsten Preuß, Gerhard Schwarz....
Der Klang ist eher obertonarm, bedeckt - meist sind die Gitarren unverstärkt relativ leise.
Physikalisch macht das durchaus Sinn, wenn bei schnellen Wechseln komplizierter Akkorde wenig Partialtöne mitmischen. Sonst kann es schnell zu Überlagerungen und Auslöschungen kommen.

Der erste bedeutende Gitarrenbauer, der eine andere Klangrichtung realisiert hat war Bob Benedetto. Ihm sind mittlerweile einige Gitarrenbauer gefolgt, wie zum Beispiel Claudio+Claudia Pagelli, Mark Campellone oder Fernando Alonzo (Jaén). Hervorheben möchte ich dabei insbesondere die Archtops von Eastman. Sie werden in China hergestellt, sind aber bei weitem keine billigen Nachahmungen anderer Marken. Eastman kommt ursprünglich aus der Herstellung von Geigen und Celli, baut alles in Handarbeit und schafft es trotzdem, die Qualität von Lieferung zu Lieferung auf gleichbleibend hohem Niveau zu halten. Eastman konnten sich für eine Zusammenarbeit so große Namen wie Pagelli und D'Ambrosio sichern. Dazu sind Eastman Gitarren im Preis- / Leistungsverhältnis einfach unschlagbar.
Gitarren in "moderner" Bauweise sind deutlich obertonreicher, klingen offener und akustischer und sind auch unverstärkt gut zu hören.
Da die Gitarren meist über Verstärker gespielt werden, sind diese Modelle wesentlich variabler im Ton. Wer für ein bestimmtes Stück einen traditionellen Ton braucht, regelt die Höhen am Tonpoti oder am Amp zurück. Ansonsten steht ihm das gesamte tonale Frequenzspektrum zur Verfügung. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass vor allem die "Nicht-Profis" diese grössere Klangfülle zu schätzen wissen.

Thema: Flatwound oder Roundwound – Saiten
Die oben beschriebene tonale Grundrichtung ist beeinflussbar durch die Wahl der Saiten.

Flatwound-Saiten / geschliffene Saiten bringen eher den "traditionellen" Ton. Auch da gibt es Unterschiede – zum Beispiel: Die D'Addario "Chrome" sind relativ hart, schwingen sehr verhalten und produzieren dadurch wenig Obertöne. Im Gegensatz dazu haben zum Beispiel die Thomastik-Infeld "Swing" Saiten ein wesentlich breiteres Klangspektrum. Die Diskantsaiten klingen fast "sweet".

Roundwound-Saiten / ungeschliffene Saiten schwingen durchweg weiter und länger und erzeugen dadurch ein weiteres Frequenzspektrum. Nach meiner Einteilung: sie klingen "moderner".

Die Favoriten meiner Kunden: Flatwound / Roundwound = 50 / 50

Big Archtop Jazz Guitars